Touché /
Themen

Heizungsgesetz - Wie die CDU gegen Habeck hetzte und Mieter die Zeche zahlen

CONTENT/02-themen/heizungsgesetz-betrug.md · 2026-02-25

Stand: 25.02.2026 | Anlass: Schwarz-Rot kippt die 65-Prozent-Regel (FAZ, 24.02.2026)


Schnellnavigation


TL;DR

Die CDU hat jahrelang gegen Habecks "Heiz-Hammer" gehetzt. Jetzt regiert sie selbst und was passiert? Sie benennt das Gesetz um, streicht den Klimaschutz-Kern, und verkauft es als "Befreiung". Die tatsächlichen Verlierer: Mieter, die sich ihre Heizung nicht aussuchen können und in den nächsten 10-20 Jahren explodierende Gaskosten zahlen werden. Eigenheimbesitzer steigen längst auf Wärmepumpen um, weil es sich rechnet. Die "Abschaffung" des Heizungsgesetzes ist keine Entlastung. Es ist eine Umverteilung von unten nach oben.


Was ist passiert?

Am 24. Februar 2026 haben sich Union und SPD auf die "Abschaffung" von Habecks 65-Prozent-Regel geeinigt:

Jens Spahn (CDU): "Der Heizungskeller wird wieder zur Privatsache."

Was Spahn nicht sagt: Die Kosten werden nicht privat sein. Die trägt die Allgemeinheit.


Die große Lüge: "Entlastung für alle"

Wer gewinnt tatsächlich?

Vermieter und Immobilieninvestoren, die weiter billige Gasheizungen einbauen können, statt in Wärmepumpen zu investieren. Anschaffungskosten niedrig, Betriebskosten zahlt der Mieter.

Wer verliert?

Mieter. Und zwar massiv.

Mieter können sich ihre Heizung nicht aussuchen. Der Vermieter entscheidet, was im Keller steht. Und wenn der Vermieter eine billige Gasheizung einbaut (Anschaffung: wenige tausend Euro), dann heizt der Mieter die nächsten 15-20 Jahre mit Gas. Zu Premiumpreisen. Ohne jede Wahlmöglichkeit.

Die Eigenheim-Besitzer-Ironie

Wer im Eigenheim wohnt, wird einen Teufel tun und weiter mit teurem Gas heizen. Die rechnen selbst nach und kommen zum gleichen Ergebnis wie Habeck: Wärmepumpe lohnt sich. Deshalb steigen genau diese Besitzer um, während ihre politischen Vertreter noch "Heiz-Hammer!" schreien.

Die 65-Prozent-Regel war nie ein Problem für informierte Eigenheimbesitzer. Sie war ein Schutz für Mieter, die sonst von ihren Vermietern in fossile Abhängigkeit gezwungen werden.


Die Kostenfalle Gas: Was auf Mieter zukommt

CO2-Preis steigt unaufhaltsam

Jahr CO2-Preis (€/Tonne) Gaskosten-Aufschlag (ct/kWh)
2021 25 € ~0,5
2024 45 € ~1,1
2025 55 € ~1,3
2026 55-65 € (Korridor) ~1,3-1,6
2028+ EU-Emissionshandel (Prognose >80 €) ~2,0+
2030+ Prognosen: 100-200 € Massiver Anstieg

Beispielrechnung: Ein wenig saniertes Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Gasverbrauch zahlt 2026 allein an CO2-Kosten zwischen 263 und 311 Euro pro Jahr. Bis 2030 können das laut ZEW bis zu 1.000 Euro Mehrkosten werden.

Quelle: Verbraucherzentrale NRW, ADAC, Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)

Die Gasnetz-Todesspirale

  1. Eigenheimbesitzer steigen auf Wärmepumpen um (weil es sich rechnet)
  2. Weniger Gaskunden im Netz
  3. Fixkosten für 500.000 km Gasnetz bleiben gleich
  4. Kosten werden auf weniger Kunden verteilt
  5. Netzentgelte steigen für die Verbleibenden
  6. Noch mehr steigen um → Spirale wiederholt sich

Das DIW Berlin warnt: Die Netzentgelte könnten innerhalb von 20 Jahren um den Faktor 10 ansteigen.

Wer bleibt als Letzter im Gasnetz? Mieter. Die sich ihre Heizung nicht aussuchen können.

Quellen: DIW Wochenbericht 2024/19, VKU-Umfrage 2025, Ofgem UK


Die Kampagne gegen Habeck: Ein Rückblick

Was Habeck tatsächlich wollte

Was die CDU daraus machte

Die Realität: Das Gesetz sah Übergangsfristen bis weit in die 2040er vor, zahlreiche Ausnahmen, Förderung und explizit keine Pflicht für bestehende, funktionierende Heizungen.

Was die CDU jetzt selbst tut

CDU-Wahlkampf CDU an der Macht
"Wir schaffen das Heizungsgesetz ab!" Umbenennung in "Gebäudemodernisierungsgesetz"
"Keine Vorschriften im Heizungskeller!" Grüngasquote kommt (= neue Vorschrift für Gasversorger)
"Technologieoffenheit!" Klimaziele im Gebäudesektor bereits verfehlt
"Entlastung für Bürger!" Förderungskürzung: -3,36 Mrd. im Haushalt 2026

Die Kernregelungen bleiben. Es gibt weiterhin ein Klimaziel für den Gebäudesektor. Es gibt weiterhin CO2-Bepreisung. Das Gasnetz wird weiterhin rückgebaut. Die Physik hat sich nicht geändert. Nur der Name des Gesetzes.

Siehe auch: Heizungsgesetz - nur umbenannt | klima für CO2-Bepreisung und Klimaziele


Verfassungsrechtliches Risiko

Die Abschaffung der 65-Prozent-Regel ist möglicherweise verfassungswidrig.

Quelle: Gutachten im Auftrag von Greenpeace/Initiative Gaswende, BVerwG-Urteil Januar 2026


Was die Heizungsbranche sagt

Die Branche hatte sich bereits umgestellt. Die CDU hat mit ihrer Kampagne eine Investitionsblockade ausgelöst und tausende Handwerkerjobs gefährdet.


Die soziale Dimension

Das Zwei-Klassen-Heizsystem

Obere Mittelschicht / Eigenheimbesitzer:

Mieter / einkommensschwache Haushalte:

Das ist nicht Entlastung. Das ist Umverteilung nach oben.


Wärmepumpen-Mythen: Faktencheck

Mythos 1: "Wärmepumpen sind unbezahlbar!"

Was? Kosten
Luft-Wasser-Wärmepumpe (Einfamilienhaus, komplett) ~30.000 €
Nach Förderung (50-70%) 9.000 - 15.000 €
Neue Gasheizung (zum Vergleich) 8.000 - 15.000 €

Preise sinken weiter: 2025 lagen die Durchschnittspreise bereits 4.000 € unter dem Vorjahr. Hersteller zielen auf bis zu 40% Kostensenkung bis 2030.

RWTH Aachen / Octopus Energy Studie (2025): 28.000€ für eine 8kW Luft-Wasser-WP in Deutschland vs. 14.000€ in UK. Haupttreiber: 19% MwSt (UK: 0%), prozentuale Förderung die Preise nach oben zieht statt sie zu drücken, überregulierte Installationsanforderungen. Japanische Top-Geräte unter 5.000€ Herstellerpreis, aber kaum ein deutscher Installateur bietet sie an. Marktversagen, nicht Physik.

Quellen: KfW, BEG-Förderrichtlinien, EnBW Preisanalyse, Bundesverband Wärmepumpe

Mythos 2: "Ewige Wartelisten!"

Was? 2022/2023 (Krise) 2025/2026 (Heute)
Geräte-Lieferzeit Bis zu 12 Monate 4-16 Wochen
Installateur-Wartezeit 12+ Monate 3-8 Monate
Installation selbst 1-2 Wochen 2-3 Tage

Was die CDU-Kampagne verursacht hat: Der Absatz brach 2024 um 46% ein, weil Verbraucher verunsichert waren.

Mythos 3: "Nur im Neubau mit Fußbodenheizung!"

Fraunhofer-Institut ISE, Feldtest (November 2025):

Mythos 4: "Stromkosten fressen die Ersparnis!"

Heizsystem Jährliche Energiekosten (EFH, 20.000 kWh)
Gasheizung ~2.000 € (Gas) + 240-311 € (CO2) + steigende Netzentgelte
Wärmepumpe (JAZ 3,3) ~1.140 € (Strom, WP-Tarif ~19 ct/kWh)
Ersparnis Wärmepumpe ~1.000+ € pro Jahr, Tendenz steigend

Die Verbraucherzentrale rät schon heute vom Einbau neuer Gasheizungen ab.

⚠️ Vorsicht bei "dreimal effizienter"-Argument: COP 3-4 gilt für die WP selbst (Strom → Wärme). Wenn der Gegner das Szenario "100% Gasstrom" annimmt, muss man die Kraftwerksverluste einrechnen: GuD 60%, normales GKW 40-50%. Kette: 1 kWh Gas → 0,55 kWh Strom → 0,55 × 3 = 1,65 kWh Wärme vs. direkte Gasheizung 0,9 kWh. Ergebnis: ~1,8× effizienter, nicht 3×. Immer noch besser! Aber "das ist Physik" + "dreimal" ist angreifbar. Sicherer: "Selbst im ungünstigsten Fall fast doppelt so effizient — und der deutsche Strommix hat über 60% Erneuerbare, da ist der Vorteil noch größer."


One-Liner und Konter

Gegen "Habeck war schuld!"

Die CDU hat das Heizungsgesetz "abgeschafft" und durch das gleiche Gesetz mit neuem Namen ersetzt. Die Gaspreise steigen trotzdem. Der einzige Unterschied: Mieter haben jetzt keinen Schutz mehr.

Gegen "Der Heiz-Hammer ist weg!"

Weg ist nur der Schutz. Die CO2-Kosten steigen weiter. Das Gasnetz wird trotzdem rückgebaut. Die Physik hat sich nicht geändert. Nur der Name des Gesetzes.

Gegen "Jetzt darf jeder heizen wie er will!"

Jeder Eigenheimbesitzer konnte das vorher schon. Habecks Gesetz schützte Mieter davor, dass Vermieter auf ihre Kosten weiter fossil heizen. Jetzt dürfen Vermieter wieder billige Gasheizungen einbauen. Die Rechnung zahlt der Mieter.

Gegen "Technologieoffenheit!"

"Technologieoffenheit" heißt hier: Der Vermieter baut die billigste Heizung ein. Das ist Gas. Die Kosten trägt der Mieter. Für 15-20 Jahre. Bei steigenden Preisen. Das ist nicht offen. Das ist eine Falle.

Gegen "Endlich keine Bevormundung mehr!"

Wessen Bevormundung? Die des Mieters, der sich jetzt nicht aussuchen kann, ob sein Vermieter eine Wärmepumpe oder eine Gasheizung einbaut? Habeck hat Mieter geschützt. Die CDU hat diesen Schutz gestrichen.

Gegen "Wärmepumpe unbezahlbar!"

Nach Förderung: 9.000-15.000 €. Neue Gasheizung: 8.000-15.000 €. Plus steigende CO2-Kosten. Plus steigende Netzentgelte. Plus Weltmarktrisiko. Rechne nochmal.

CDU-Ironie

Die CDU hat mit ihrer "Heiz-Hammer"-Kampagne den Wärmepumpen-Absatz um 46% einbrechen lassen, Stiebel Eltron in Kurzarbeit geschickt, und verkauft das jetzt als "Entlastung". Die einzige Entlastung ist für Vermieter.

CDU-Muster: Versprechen vs. Realität

Versprechen Realität
"Heizungsgesetz abschaffen!" Umbenannt in "Gebäudemodernisierungsgesetz"
"Milliarden beim Bürgergeld sparen!" 260 Mio. Mehrkosten laut Bundesagentur für Arbeit
"Brandmauer zur AfD steht!" EVP stimmt mit AfD ab (Nov. 2025)
"Mietpreisbremse!" Erst blockiert (Dez. 2024), dann gefeiert (Jun. 2025)

Fernwärme als Pocketbook-Falle — der München-Datenpunkt (NEU 2026-05)

Stand: 2026-05-05 | Recherche-Quelle: BoldClaim-Inbox (Wirtschafts-Recherche Februar 2026)

Das Argument

Wer "Heizungsgesetz weg, dann wirds billig" sagt, ignoriert: kommunale Fernwärme-Monopolisten haben in den letzten zwei Jahren stärker am Preis gedreht als jeder Wärmepumpen-Förderkürzungs-Effekt.

Der Fakt: München, +226% in unter zwei Jahren

Warum das Bold-Claim-relevant ist

  1. Konter zu "Wärmepumpe ist Habecks Zwang": Wer Fernwärme hat, ist sowieso gefangen — die Heizung "freie Wahl" ist Mieter-Märchen
  2. Konter zu "Fernwärme ist die Lösung": Ohne Sozialtarif ist Fernwärme nicht automatisch billiger als Gas. Die Argumentation "ihr müsst halt anschließen" hilft Geringverdienern nicht
  3. Konter zu "Stadtwerke = sicher und günstig": SWM ist 100% kommunal, hat trotzdem aggressiv die Preise erhöht. "Privatisierung schuld" greift hier nicht.

Quellen

Konter

"Fernwärme ist die billige Alternative."

München 2022→2024: +226% Fernwärmepreis. SWM ist zu 100% kommunal.
250.000 Haushalte betroffen, viele mit Anschlusszwang.
Sozialtarif? Stadtrats-Mehrheit (SPD/Grüne) blockiert.

Heizungsgesetz "abschaffen" hilft hier null.
Das Problem ist nicht Habeck. Es ist der Monopolist im Aufsichtsrat.
"Mieter haben doch Wahl."

Im Fernwärme-Quartier hast du keinen Vertrag — du hast Anschlusszwang.
Preis steigt um 226%? Pech. Wechsel? Nicht erlaubt.

Wer "freier Markt" predigt und Fernwärme-Monopole verteidigt,
hat die Logik gewechselt, sobald ein Stadtwerk profitiert.

Quellen [LAST_CHECKED: 2026-02]

Aktuell:

Kostenentwicklung:

Gasnetz-Rückbau:

Wärmepumpen:


Update Mai 2026: Reiches Heizungsgesetz und der NKR-Befund [LAST_CHECKED: 2026-05-17]

Am 13. Mai 2026 hat das Bundeskabinett unter Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Bauministerin Verena Hubertz den Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) beschlossen, der die GEG-Reform der Ampel ersetzt.

Was Reiches GMG kippt

Was der Normenkontrollrat dazu sagt

NKR-Chef Lutz Goebel: "Eines der handwerklich schwächsten und praxisfernsten Vorhaben, die dem Nationalen Normenkontrollrat in den vergangenen Jahren vorgelegt wurden." Der Text sei in weiten Teilen kaum verständlich. Verursache zusätzliche Bürokratie- und Beratungskosten.

Quellen:

Was Habecks GEG tatsächlich enthielt (nicht der CDU-Mythos)

Diese Fakten gehören in jeden Konter gegen "Habeck zwingt mir Wärmepumpe auf":

1. Sechs pauschale Erfüllungsoptionen (GEG §71), keine WP-Pflicht:

Quelle: GEG §71 Volltext, BBSR-Infoportal

2. Bestand: keine Tausch-Pflicht. Alte Heizungen durften weiterlaufen. Erst bei Neueinbau greift die 65-Prozent-Regel, und auch dann mit Übergangsfristen entlang der kommunalen Wärmeplanung.

3. Gestaffelte BAFA-Förderung bis 70%, einkommensabhängig (geltend bis Förderfreeze 2024):

Quelle: BAFA Förderprogramm im Überblick

4. Mieter-Kostenbremse via Modernisierungsumlage-Cap. Der Vermieter konnte die teuerste Modernisierung nicht mehr 1:1 auf den Mieter umlegen. Genau das war der soziale Kern, den Reiche jetzt schwächt.

Wärmepumpen-Marktentwicklung 2022 bis 2024

Belegt, dass Habecks Förderung gewirkt hat, solange die Auszahlungen liefen:

Jahr WP-Absatz DE Veränderung
2022 ~236.000 Vergleichsbasis
2023 356.000 +51%, Rekordjahr
2024 ~200.000 −44%

Ursache 2024-Einbruch: BVerfG-Urteil November 2023 zur KTF-Lücke + wochenlanger BAFA-Auszahlungs-Freeze + Förderbedingungs-Unsicherheit nach Regierungswechsel. Nicht Programm-Versagen.

Quelle: BWP/BDH Pressemeldung 2023-Rekord, BWP Absatzzahlen

WP-Preisunterschied DE vs UK: vier Treiber, nicht ein

Die Octopus Energy + RWTH Aachen Studie 2025 zeigt: 8 kW WP-Anlage kostet in DE rund 28.000, in UK rund 14.000. Treiber laut Studie:

  1. 19% MwSt in DE vs 0% in UK. Bundesfinanzministerium-Sache.
  2. Förderungsform: UK Festbetrag 7.500 Pfund, DE prozentual gestaffelt (begünstigt Anbieter-Markt-Macht).
  3. Schallschutzpflicht in DE erzwingt schwerere Geräte plus Fundament.
  4. Klimatische Anforderungen: niedrigere Außentemperaturen erfordern Modelle, die auch bei tieferen Temperaturen effizient bleiben.

Drei der vier Treiber sind nicht GEG-Sache. Wer "Habecks Förderung treibt die Preise" sagt, muss erklären, wie das die MwSt und die Bauordnung erklären soll.

Quelle: Octopus/RWTH-Studie via pv-magazine, Pressemitteilung Octopus