Touché /
Themen

Rente & Sozialstaat - Konter-Arsenal

CONTENT/02-themen/rente-sozialstaat.md · 2026-06-27

Hinweis 2026: Das Bürgergeld heißt ab dem 01.07.2026 Grundsicherungsgeld (Reform beschlossen: Bundestag 05.03.2026, gestaffeltes Inkrafttreten ab 23.04.2026); aktuelle Zahlen + Konter dazu in Grundsicherungsgeld - Bürgergeld-Reform 2026 & Totalverweigerer-Mythos. (Quelle: Bundesregierung, https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bundesrat-neue-grundsicherung-2399562, verifiziert: 2026-06-11)

Zahlen mit Quellen — für Reddit-Diskussionen, nicht für Seminare


Schnellnavigation


Zahlen auf einen Blick

Kennzahl Wert Stand
Rentenniveau (Sicherungsniveau vor Steuern) 48 % 2025, gesetzlich gesichert bis 2031
Standardrente (45 Entgeltpunkte) 1.835 € brutto/Monat ab 1. Juli 2025
Standardrente ab 1. Juli 2026 1.913 € brutto/Monat (Rentenpunkt: 42,52 €)
Durchschnittliche tatsächliche Altersrente (Männer West) ca. 1.200–1.400 € 2024
Durchschnittliche tatsächliche Altersrente (Frauen) ca. 800–950 € 2024 — bedingt durch Teilzeit, Erziehungszeiten
Beitragssatz 18,6 % seit 2018, hälftig geteilt
Beitragssatz ab 2028 20,0 % Rentenkommission 2026, laut Koalitionsplan
Beitragssatz ab 2030 über 22 % Rentenkommission 2026
Einzahler je Altersrentner ca. 1,8–2,1 2025 (1960: 6 Einzahler je Rentner)
Aktive Beitragszahler ca. 39 Millionen Rekordwert 2024
Altersrentner gesamt ca. 18,4 Millionen 2024
Grundsicherungsempfänger im Alter (Rekordwert) 764.000 Ende 2025 (+30 % seit 2021)

Das Rentenniveau fällt ohne Massnahmen bis 2031 auf ~47 % und bis 2040 auf ~46 %. Das ist das eigentliche Problem — nicht Ausländer, nicht Bürgergeld.

Stand 27.06.2026: Die Rentenkommission hat am 23.06.2026 ein Paket mit 33 Empfehlungen vorgelegt. Merz + Bas wollen alle umsetzen. Bundestagsbehandlung nach Sommerpause, in Kraft 2027. Details unten.



Rentenkommission 2026 — 33 Empfehlungen

Vorgelegt 23.06.2026. Merz (CDU) + Bas (SPD): alle 33 umsetzen. Bundestag nach Sommerpause, in Kraft 2027. Kommission: "nicht als Angebot zur Auswahl, sondern als zusammenhängendes Ganzes."

Kernmassnahmen (für Counter-Speech relevant)

Beitragssatzpfad (verifiziert, keine Senkung geplant):

Renteneintrittsalter: ab 2032 an Lebenserwartung gekoppelt (+0,5 Jahre pro Jahrzehnt). Rente mit 70 erst ca. 2092 — nicht morgen.

Rente mit 63 abschaffen: Rente nach 45 Beitragsjahren (heute faktisch ~64,5 Jahre) wird abgeschafft. Übergangsfrist + Vertrauensschutz geplant.

Individuelle Kapitalpensionskonten (#28 im Paket): 2 % Pflichtbeitrag (je 1 % AG + AN), nach schwedischem Modell. Individuelle Konten, nicht Staatsfonds. Ab 2040 wirkend. Einzige Massnahme mit echtem Zinseszinseffekt für unter-40-Jährige.

Nachhaltigkeitsfaktor reaktivieren: Ab 2032. Koppelt Rentenanpassungen automatisch ans Verhältnis Beitragszahler/Rentner. Wurde jahrelang politisch ausgesetzt weil er Rentner belastet.

Solidarbasis verbreitern: Selbstständige, Abgeordnete, Beamte (langfristig), Vorstände von AGs in GRV einbeziehen. Minijobs voll versichern.

Versicherungsfremde Leistungen aus Steuern: Mutterschutz, Kriegsopfer etc. gehören in den Haushalt, nicht die Rentenkasse.

Politisches Realitätscheck

Merz sagt "alle 33" — das hat jede Bundesregierung mit Kommissionsberichten gesagt. Dann kommen die Verbände. Realistisch:

22 führende Ökonomen (inkl. ifo-Präsident Clemens Fuest, Sachverständigenrat-Mitglieder Grimm, Schnitzer, Werding, Bert Rürup) forderten im November 2025 den kompletten Rückzug des Rentenpakets. (Quelle: ifo Institut, Nov. 2025)


Zwei Gesetze — werden ständig verwechselt

Diese Verwechslung ist das häufigste Fehlinformationsmuster in Rentendiskussionen.

Ampel-Rentenpaket II CDU/CSU/SPD-Rentenpaket 2025
Status NIE verabschiedet — Koalitionsbruch Nov. 2024 VERABSCHIEDET 5.12.2025, in Kraft 1.1.2026
Rentenniveau 48 % bis 2039 48 % bis 2031 (nur!)
Generationenkapital Ja (schuldenfinanziert) Nein
Nachhaltigkeitsfaktor Neue Formel bis 2039 Ausgesetzt bis 2031
Kosten laut Bundesrechnungshof +293 Mrd. € bis 2040, Beitragssatz auf 22,6 % Noch keine Gesamtprojektion veröffentlicht
Aktivrente Nein Ja: 2.000 €/Monat steuerfrei ab 67 (nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte)

Konter-Satz: "Das Rentenpaket mit Generationenkapital hat die Ampel nie verabschiedet — das ist mit dem Koalitionsbruch gestorben. Was seit Januar 2026 gilt, ist das CDU-Paket: Haltelinie bis 2031, keine Kapitaldeckung, steigende Beiträge."


Verifizierte Counter-Speech-Fakten

Adversariell verifiziert (102 Agenten, 25 Claims, 17 bestätigt / 8 widerlegt), Stand 26.06.2026.

WAHR (3-0 bestätigt)

FALSCH (0-3 widerlegt)

NUANCE

Tagesschau Neutralitätseinschätzung (für Quellenbewertung)

Tagesschau berichtet faktisch korrekt, aber mit regierungskonformem Framing:


"Rente mit 63 ist unfair"

Die Behauptung: "Faule Frührentner auf Kosten aller — wer früh geht, soll Abschläge hinnehmen."

Was stimmt: Die Rente nach 45 Beitragsjahren (umgangssprachlich "Rente mit 63", heute faktisch ab 64 oder 65) setzt 45 Jahre Einzahlungen voraus. Das sind keine Schreibtischtäter.

Was das DIW 2024 herausgefunden hat: Zwar nutzen viele die Möglichkeit — rund 270.000 im Jahr 2024 allein. Aber ausgerechnet körperlich stark belastete Berufsgruppen (Handwerk, Pflege, Gastronomie) erreichen die 45 Beitragsjahre oft nicht, weil sie früher krank werden, Lücken haben, oder in Minijobs hingen. Wer die 45 Jahre schafft, ist statistisch gesehen oft jemand mit stabilerer Erwerbsbiographie — nicht unbedingt der Maurer mit kaputtem Rücken.

Das eigentliche Problem: Die Regelung trifft nicht die Richtigen. Mehr zielgerichtete Instrumente für körperlich belastete Berufe wären sinnvoller als Abschaffung.

Konter-Satz: "45 Jahre Beiträge und dann soll man trotzdem länger arbeiten? Wessen Rücken hält das aus?"


"Die Rente ist nicht sicher"

Die Behauptung: Das Umlagesystem kollabiert demografisch.

Was stimmt: Die Demographie ist ein reales Problem. Das Verhältnis Einzahler/Rentner sinkt — von 6:1 in den 1960ern auf heute ca. 2:1. Der Beitragssatz steigt. Das Rentenniveau fällt langfristig.

Was die Katastrophisten weglassen:

  1. Umlage vs. Kapitaldeckung: Ein Umlagesystem hat keine Renditerisiken. Es gibt keine Finanzkrise, die die Rente von heute auf morgen halbiert. Die Ansprüche sind staatlich garantiert.

  2. Stellschrauben gibt es: Rentenniveau, Renteneintrittsalter, Beitragssatz, Steuerzuschüsse, Erwerbsmigration. Deutschland nutzt alle — graduell. Das ist kein Kollaps, das ist Anpassung.

  3. Rekord-Beitragszahler: Mit ca. 39 Millionen aktiv Versicherten (2024) zahlen mehr Menschen ein als je zuvor — trotz Demographie, weil Erwerbsmigration und Frauenerwerbsquote gestiegen sind.

  4. Rentenpaket 2025: Sichert das 48-%-Niveau bis 2031 per Gesetz. Langfristig fällt es auf ~46 % — schmerzhaft, aber kein Systemversagen.

Fazit: Die Rente ist nicht sicher im Sinne von "alles bleibt wie es ist". Aber das System kollabiert nicht — es wird teurer und muss reformiert werden.


"Ausländer bekommen unsere Rente"

Die Behauptung: Migranten und Ausländer kassieren Renten, ohne einzuzahlen.

Die Realität:

Die Gastarbeiter-Generation: Türkische, italienische, griechische und jugoslawische Gastarbeiter haben ab den 1950ern und 1960ern massiv in die Rentenkasse eingezahlt. Ihre Renten sind Gegenleistung für geleistete Arbeit — nicht Geschenk. Viele haben heute niedrige Renten, weil sie niedrige Löhne hatten oder früh krank wurden.

Ausnahme, die die Regel bestätigt: Es gibt das Fremdrentengesetz für Spätaussiedler — da wurden Beitragszeiten im Ausland anerkannt. Das ist ein historisches Instrument, kein Migrationsbonus.

Konter-Satz: "Ausländer zahlen heute mehr in die Rentenkasse ein als sie herausbekommen — weil sie im Schnitt jünger sind. Ohne Zuwanderung wäre der Beitragssatz schon heute höher."


"Aktienrente / Kapitaldeckung ist die Lösung"

Differenzierte Einordnung — kein einfaches Ja oder Nein.

Was das schwedische Modell wirklich ist: Schweden lagert 2,5 % des Bruttogehalts in kapitalgedeckte Fonds aus — neben 16 % Umlagerente. Der AP7-Staatsfonds (ca. 85 Mrd. €) läuft seit 2001, hat sehr niedrige Gebühren (0,05 %) und langfristig gute Renditen. Er ist kein Ersatz für die Umlagerente, sondern ein Ergänzungskanal.

Was Befürworter weglassen:

Was beim Deutschen Generationenkapital passiert: Der Ampel-Ansatz (2024 gestartet: 12 Mrd. € Anfangskapital) war ein Einstieg, aber bei weitem nicht ausreichend, um den demografischen Druck spürbar zu entlasten.

Fazit: Kapitaldeckung als Ergänzung — sinnvoll. Als Ersatz für das Umlagesystem — illusorisch und für Geringverdiener riskant.


"Grundrente ist Sozialismus"

Die Behauptung: Wer nicht genug eingezahlt hat, bekommt trotzdem etwas — das ist Umverteilung auf Kosten aller.

Die Zahlen:

Was die Grundrente tatsächlich ist: Seit 2021 bekommen Menschen mit mindestens 33 Beitragsjahren und unterdurchschnittlichem Verdienst einen Zuschlag. Das ist keine Einheitsrente, sondern eine Aufwertung für langjährige, aber niedrig entlohnte Beitragszeiten.

Die Konter-Frage: "40 Jahre gearbeitet, Steuern und Sozialabgaben gezahlt, Kinder großgezogen — und dann 750 € Rente. Was genau ist daran fair?"

Konter-Satz: Grundrente ist kein Sozialismus. Es ist die Anerkennung, dass ein Leben Erwerbsarbeit im Niedriglohnbereich nicht zur Würde im Alter reicht — und dass das ein Systemfehler ist, kein individuelles Versagen.


AfD-Rentenpolitik

Was die AfD will (Wahlprogramm 2025):

Was fehlt:

Das österreichische Modell: Österreich zahlt tatsächlich höhere Renten. Warum? Beamte zahlen ein. Beitragssatz liegt bei ~22 %. Keine Riester-Reform. Höhere Lohnquote. Das sind strukturelle Unterschiede — nicht einfach kopierbar.

Konter: "Die AfD will 70 % Rentenniveau und nennt Österreich als Vorbild. In Österreich zahlen Beamte 22 % Beitragssatz. Wer sagt der AfD, dass das ihre Wähler freut?"


Bürgergeld-Mythen

Stand 2026-06-11: Ab dem 01.07.2026 wird aus dem Bürgergeld das Grundsicherungsgeld (Neue Grundsicherung): Vermittlungsvorrang, härtere Sanktionen, Karenzzeit beim Schonvermögen entfällt, erste Sanktionsverschärfungen gelten schon seit 23.04.2026 (Quelle: Bundesregierung, https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bundesrat-neue-grundsicherung-2399562, verifiziert: 2026-06-11). Die Zahlen unten (BA-Statistik 2024) bleiben als Faktenbasis zum alten Regime gültig, aber in aktuellen Debatten nicht mehr so argumentieren, als wären Name und Regeln unverändert. Reform-Details und neue Konter: Grundsicherungsgeld - Bürgergeld-Reform 2026 & Totalverweigerer-Mythos.

Mythos 1: "Über 50 % der Bürgergeldempfänger arbeiten nicht"

Richtig: Ca. 48 % der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten suchen laut Bertelsmann-Studie (2025) nicht aktiv nach Arbeit. Aber der Grund ist meist Krankheit, Pflegeaufgaben oder fehlende Kinderbetreuung — nicht Faulheit. Außerdem gibt es zu wenige offene Stellen für diese Gruppe.

Mythos 2: "Totalverweigerer sind das Problem"

Richtig: Die tatsächliche Zahl der Totalverweigerer liegt bei ca. 0,4 % aller Empfänger (~23.400 Sanktionen wegen Arbeitsverweigerung im Jahr 2024). Die 100-%-Sanktion (vollständiger Leistungsentzug) wurde laut IAB zwischen April 2024 und Juni 2025 im "niedrigen zweistelligen Bereich" angewandt — also kaum.

Definitionen nicht mischen: Totalverweigerung (Vollsanktion wegen wiederholter Pflichtverletzung, §31 SGB II) umfasst rund 0,4% der Bürgergeld-Empfänger (BA-Statistik). Sanktionsfälle gesamt (jede Art Pflichtverletzung, inkl. Meldeversäumnisse) belaufen sich auf rund 101.000, das sind ca. 3% der Bezugsgemeinschaften. Beide Zahlen beschreiben unterschiedliche Phänomene. Wer 0,4% und 3% gegeneinander ausspielt oder verwechselt, mischt Begriffe aus verschiedenen Definitionen.

Mythos 3: "Bürgergeld ist zu großzügig, deshalb arbeitet niemand"

Richtig: Der Missbrauchssatz liegt bei ca. 3 % (101.000 Fälle bei 5,56 Millionen Empfängern — Bundesagentur für Arbeit, 2024, davon 260 Mio. € Schaden). Das ist nicht null, aber weit von einer systemischen Betrugskultur entfernt.

Mythos 4: "Alle, die könnten, beziehen Bürgergeld"

Richtig: Die Nichtinanspruchnahme liegt bei 43–56 % aller Anspruchsberechtigten (SGB II, ISG-Studie zur Nichtinanspruchnahme). Bei Grundsicherung im Alter sogar bei ca. 60 %. Die häufigsten Gründe: Scham, bürokratische Hürden, Unwissenheit. Das System hat ein Unternutzungsproblem, kein Übernutzungsproblem.


Copy-Paste-Konter

"Das Rentensystem bricht zusammen"

Das Rentenniveau sinkt, ja. Von 48 % auf ca. 46 % bis 2039 — das ist schmerzhaft, aber kein Kollaps. Mit 39 Millionen Beitragszahlern (Rekord) ist das System stabiler als die Schlagzeilen vermuten lassen. Kapitalgedeckte Ergänzungen helfen langfristig, aber sie lösen die demographische Übergangslast nicht.

"Rente mit 63 ist Frühverrentung auf Kosten aller"

Rente nach 45 Beitragsjahren. Das sind 45 Jahre Steuern und Sozialabgaben. Die, die das wirklich bräuchten — Maurer, Pfleger, Leute mit kaputten Knien — erreichen die 45 Jahre laut DIW oft gar nicht. Das Instrument trifft die Falschen. Aber die Antwort ist Verbesserung, nicht Abschaffung.

"Ausländer kassieren unsere Renten"

Ohne 5 Jahre Beiträge gibt es keine Rente — Punkt. EU-Bürger bringen ihre Beitragszeiten mit. Die Gastarbeitergeneration hat seit den 1950ern eingezahlt. Ohne Zuwanderung wäre der Beitragssatz heute höher, nicht niedriger.

"Bürgergeld — keiner will mehr arbeiten"

0,4 % Totalverweigerer. 3 % Missbrauchsquote. 43–56 % der Berechtigten beziehen es gar nicht erst, aus Scham oder weil sie den Antrag nicht schaffen. Das Problem ist nicht zu viel Großzügigkeit — sondern zu wenig Arbeitsplätze für die Gruppe, die auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr konkurrieren kann.

"Grundrente ist ungerecht gegenüber denen, die mehr einzahlen"

40 Jahre Arbeit in der Pflege oder im Einzelhandel — und trotzdem unter der Armutsschwelle im Alter. Das nennt man einen Marktversagen, kein persönliches Versagen. Die Grundrente kostet ca. 1,4 Mrd. € jährlich. Die Steuererleichterungen für Kapitalerträge kosten mehr.


Bürgergeld-Daten v2 (Stand 2026-04, BA-Statistik 2024)

Aktualisierte Datenbasis nach r/armes_deutschland Arbeitsvermittler-Thread. Diese Sektion liefert die präzisen Zahlen, weil v1-Daten oft zu lose gerundet wurden.

Sanktions-Kategorien (BA-Statistik 2024)

Kategorie Zahl 2024 Anteil
Leistungsminderungen gesamt rund 369.000 100%
Davon Meldeversäumnisse ca. 300.000 ~86%
Davon Arbeitsablehnung im engeren Sinn (§ 31 SGB II) ca. 23.400 ~6%
100%-Sanktion (April 2024 - Juni 2025) "niedriger zweistelliger Bereich" laut IAB <0,01%
Dokumentierter Missbrauchssatz 101.000 Fälle, 260 Mio € rund 3%

Kernpunkt: Die "0,4% Totalverweigerer" sind nur die formelle Arbeitsablehnung. Über alle Sanktions-Kategorien zusammen kommt man auf 3-7%, je nach Definition. Immer noch weit entfernt von "die Mehrheit holt sich was raus".

BVerfG-Urteile präzise

Aufstocker-Demographie (BA Berichtsmonat 11/2024)

Schonvermögen (§ 12 SGB II + BA-Merkblatt 2024)

Sanktions-Geschichte (gegen "Plünderkiste vor Sanktionen"-Mythos)

Bundeshaushalt 2024 (Einzelplan 11)

Posten 2024 Verhältnis
Bürgergeld-Auszahlungen rund 26,5 Mrd € (Regelleistungen; BIAJ-Gesamtausgaben inkl. Kosten der Unterkunft: 29,15 Mrd) 100%
Verwaltung Jobcenter (Bundesmittel) rund 5 Mrd € ca. 19%
Eingliederungstitel rund 4,2 Mrd € ca. 16%
Sozialgerichtsverfahren (gesamt, alle Sozialrechtsfragen) rund 600 Mio € ca. 2%

Kernpunkt: Verwaltungskosten sind etwa ein Fünftel der Auszahlungen, nicht "mehr als die Auszahlungen". Sozialgerichts-Kosten liegen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich, nicht im "Milliardenbereich".

Sozialbudget-Verteilung (BMAS Sozialbericht 2024)

Posten Volumen 2024
Renten rund 390 Mrd €
Gesetzliche Krankenversicherung rund 330 Mrd €
Pflege rund 70 Mrd €
Familienleistungen rund 60 Mrd €
Bürgergeld rund 26,5 Mrd € (ca. 2% des Sozialbudgets)

Vergleichs-Anker: Das Ehegattensplitting kostet ungefähr so viel wie das gesamte Bürgergeld. Wer Sozialausgaben ernsthaft reduzieren will, müsste bei den großen Posten ansetzen.

Aufstocker-Branchenverteilung (BA-Beschäftigungsstatistik)

Größte Aufstocker-Gruppen nach Branche:

  1. Reinigung und Hilfsdienste
  2. Einzelhandel
  3. Pflege
  4. Lager und Logistik
  5. Gastgewerbe (kleinerer Anteil)

Kernpunkt: "Dönerladen und Barbershop" als Aufstocker-Reduktion beschreibt eine kleine Untergruppe in stark verkürzter Form, nicht das Phänomen.

Kinder-Existenzminimum (gegen "Kinder kein Grundrecht für Bedürftige"-Forderung)

Rechtslage:

Die Forderung "keine Förderung für Kinder armer Eltern" als Gesetz wäre mit dem GG unvereinbar.


Klassenframe: Abgeltungsteuer vs. Lohnsteuer

Muster: Debatte läuft auf "wer arbeitet nicht" oder "wer schmarotzt" hinaus und fokussiert auf die ärmsten Empfänger.

Konter: Die Wut ist berechtigt, die Adresse ist falsch.

Wer seinen Lebensunterhalt mit Arbeit verdient, zahlt Lohnsteuer nach dem Progressionstarif, Spitzensteuersatz 42% ab 69.879 € zu versteuerndem Einkommen, Höchststeuersatz ("Reichensteuer") 45% ab 277.826 €. (Quelle: Bundesfinanzministerium / Finanztip, https://www.finanztip.de/spitzensteuersatz/, verifiziert: 2026-06-12)

Wer sein Geld mit Geld verdient, zahlt Abgeltungsteuer: pauschal 25% auf Kapitalerträge, plus 5,5% Solidaritätszuschlag = effektiv ~26,4%. Egal ob die Zinsen und Dividenden 10.000 € oder 10 Millionen € betragen. (Quelle: Bundesministerium der Finanzen; Finanztip, https://www.finanztip.de/abgeltungsteuer/, verifiziert: 2026-06-12)

Das bedeutet: Ein Arbeitnehmer zahlt auf jeden Euro über 69.879 Euro den Spitzensteuersatz von 42 Prozent, während ein Aktionär auf 500.000 Euro Dividenden pauschal 25 Prozent zahlt. Das ist keine Verschwörungstheorie, das ist geltendes Steuerrecht.

Wer über "Sozialneid" redet, meint in der Regel: Neid von unten nach unten. Das System begünstigt Neid von unten nach unten, damit niemand nach oben schaut.

Arbeitslohn: auf jeden Euro über 69.879 € fällt der Spitzensteuersatz von 42% an.
Kapitalerträge: pauschal 25% Abgeltungsteuer — egal ob 10.000 € oder 10 Mio €.

Ein Arbeitnehmer zahlt auf den Grenzeuro mehr als ein Aktionär auf die gesamte Dividende.

Die Wut auf Bürgergeld-Empfänger ist verständlich.
Die Adresse ist falsch.

(Quellen: BMF-Steuerrechner https://www.bmf-steuerrechner.de/; Finanztip Spitzensteuersatz https://www.finanztip.de/spitzensteuersatz/; Finanztip Abgeltungsteuer https://www.finanztip.de/abgeltungsteuer/; verifiziert: 2026-06-12)


CumEx-Verhältnismäßigkeit: Empörung kalibrieren

Muster: Milliardenaufwand zur Bekämpfung von Bürgergeld-Missbrauch, aber keine Empörung über CumEx.

Der Schaden durch CumEx-Geschäfte (systematischer Mehrfacherstattung nie gezahlter Kapitalertragsteuer) beläuft sich nach aktuellen Schätzungen auf mindestens 10 Mrd € für Deutschland (für den Zeitraum 2001-2011). Zusammen mit den verwandten CumCum-Geschäften (illegale Dividendenstripping-Transaktionen) liegt der Schaden für Deutschland bei mindestens 35 Mrd €. (Quelle: Finanzwende, https://www.finanzwende.de/themen/cumex; Finanzwende CumCum, https://www.finanzwende.de/themen/cumcum; verifiziert: 2026-06-12)

Zum Vergleich: Das gesamte Bürgergeld hat 2024 29,15 Mrd € gekostet (Regelleistungen; Quelle: BIAJ, https://biaj.de/archiv-kurzmitteilungen/2055-arbeitslosengeld-ii-sozialgeld-und-buergergeld-ausgaben-von-2010-bis-2024.html, verifiziert: 2026-06-12).

Der CumEx+CumCum-Schaden übersteigt damit die Jahresausgaben für das gesamte Bürgergeld. Er wurde von Großbanken, Hedgefonds und Anwaltskanzleien organisiert, nicht von Arbeitslosen. Rückgeholt wurden bisher Bruchteile davon.

Wer über "Sozialschmarotzer" redet und über CumEx schweigt, hat ein Proportionsproblem.

CumEx + CumCum: mindestens 35 Mrd € Steuerschaden in Deutschland.
(Quelle: Finanzwende; für CumEx allein: mind. 10 Mrd €)

Bürgergeld 2024 gesamt: 29,15 Mrd € (BIAJ/BA-Daten).

Der Steuerbetrug einer kleinen Finanzbranche übersteigt das gesamte
Bürgergeld — und trotzdem redet die halbe Politik über Sozialbetrug.

Das nennt man ein Proportionsproblem.

Zingers


Gotcha-Register

Fallen, die man vermeiden sollte (eigene Seite):

Fallen der anderen Seite:


Quellen